Trailrocking in der Kulturlandschaft Paasdorf

Trailrocking in der Kulturlandschaft Paasdorf

Streckenlänge: 11,2km
Dauer: 3 Stunden (Pausen inklusive)
Natur: Freie Felder, Waldrand und Wiesenflächen. Aussicht nicht so grandios! Windradbaustellengebiet!
Ruhe: Derzeit noch Top! Nur sehr wenige Begegnungen.
Wegbeschaffenheit: Schotterwege, Wiesenwege, teilweise Asphalt.
Geeignet für: Einzelpersonen, Kleingruppen. Begrenzte Parkmöglichkeiten!

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Auf der Suche nach neuen Wandertrails für unser „Cani-Klick“ – dem Fototrekking – stieß ich im Internet auf die Kulturlandschaft Paasdorf bei Mistelbach. Der offizielle Weg ist ja nur knapp halb so lang als jene Weglänge die ich mir vorstellte, aber das ließ sich ja schnell durch ein paar „Ausschweifungen“ auf knapp über 11km ändern. Wie üblich, habe ich den geplanten Trail vorerst auf GPSies digitalisiert und angesehen, dann auf mein Garmin überspielt, und vergangenen Samstag gings dann los. Zusammen mit einem Freund starteten wir um 9:30 Uhr bei nur 6,5°C los und führen nach Paasdorf.

Parkplätze gibt’s in Paasdorf an der „Schwemmzeile“ von wo aus auch unser heutiges Trailrocking wegführte. Vorbei an einer futuristischen Bushaltestelle (sehenswert!) über den Feldwiesengraben und dem Schloss Paasdorf (eher unscheinbar), führte uns der Weg dann über die Schlosszeile dann ins freie Land, beginnend ab der Kirschenallee. Bis hierher hatten wir schon die ersten guten Fotos im Kasten.

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Von der Kirschenallee aus war unsere erste Station das „Ecce Homo Kreuz„. Leicht zu finden da man direkt darauf zusteuert. Unser Weg führte danach links am Kreuz vorbei, weiter in Richtung „Holzberg“ auf 270m Seehöhe. Bis dahin sahen wir schon die ersten massiven Veränderungen in der Landschaft. So zum Beispiel die neue Süd-Umfahrung von Mistelbach, die B46, die in unseren Wanderkarten noch nicht einmal eingezeichnet war. Dann bemerkten wir schon von weitem, dass hier ein komplett neuer Windpark entstehen würde. Eine Baustelle reihte sich an die nächste. Halb fertige Windräder standen bereits, bei anderen wurden gerade die Fundamente gemacht. Noch fanden wir das nicht so schlimm, und besichtigten sogar eine der Baustellen genauer.

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Am Holzberg angekommen standen wir nun auf der höchsten Stelle unserer Tour. Ein kleines Wegkreuz zierte die Stelle. Nach kurzem Rundumblick auf die Gegend, brachen wir wieder auf und folgten weiter unserem geplanten Weg. Unser nächstes Ziel war nun schon „Die Autobahn – Die Entdeckung der Korridore„.  Hier wurde künstlerisch eine Art Ausgrabung dargestellt bei der man ein Autobahnstück gefunden hatte. Die Idee fanden wir gut, die Umsetzung super. Doch das Kunstwerk wurde dadurch getrübt, dass erstens die Infoglastafel dem Baustellenverkehr der Windräder zum Opfer gefallen sein dürfte, und das Kunstwerk von Geo-Cachern missbraucht wird, die ihre Dose in der Leitschiene versteckt haben. (Ja, ein Muggl hat Eure Dose entdeckt! Was jetzt?).

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Weiter gings dann zum „Mahnmal für verlorene Artenvielfalt“ dass uns veranschaulichte, wie die Artenvielfalt im Weinviertel, schon alleine bei den Rinderrassen, verloren ging. Die Schrift ist aus der Nähe noch entzifferbar, doch der Algenwuchs von oben weg, der sich über den Kalksteinwürfel nach unten hin ausbreitet, wird das Kunstwerk bald komplett einnehmen.

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Nächste Station: „Das eiserne Kreuz„. Eigenartig aber irgendwie doch magisch anziehend steht es in der Gegend herum und rostet vor sich hin. Von Tauben oder anderen Vögeln besudelt heben sich die weißen „Patzerln“ kontrastreich von der schwarzen oder braunrostigen Oberfläche gut ab.

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Nachdem wir unsere Speicherkarten wieder mit einigen Fotos mehr angefüllt hatten, marschierten wir zum sogenannten „Klangatoll„, einem runden und einer Seite offenen Erdwallkonstruktion. Die neben dem Wall stehende Solaranlage weckte unser Interesse, denn da dürfte es irgendeine Funktion beim Klangwall geben, die Strom brauchte. Beim Betreten des Klangatolls fiel uns schon die breite Spur wildgewordener Motocrossfahrer oder Mountainbiker mittig über den Erdwall auf. Dann entdeckten wir in der Erde versenkte Lautsprecher, die aber ohne Funktion vor sich hin schwiegen. Nach kurzer Nachforschung fanden wir auch sowas wie eine Röhre, aus dem abgerissene Kabel hervorstanden. Also wieder ein Kunstwerk das dem Zerstörungstrieb von Idioten zum Opfer gefallen ist. Schade, wir hätten das Klangatoll gerne in Betrieb erlebt.

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Etwas enttäuscht verließen wir also das Klangatoll, und näherten uns nun dem „Windwürfelhaus„. Dieses Objekt besteht eigentlich aus zwei Objekten, nämlich dem Würfel der mitten am Feld sein Dasein fristet, und dem aufgeklappten Würfel, den man nicht so leicht als solchen am Boden liegend erkennt, weil Bauern mit ihren Landmaschinen da drüber donnern, und es offensichtlich vollkommen egal ist, ob es nun als Teil eines Weges oder als Kunstwerk angesehen wird. Am Windwürfelhaus machten wir eine kleine Pause, und genossen die noch vorherrschende Ruhe, die ja mit dem Rauschen der vielen neuen Windräder dann endgültig vorbei sein wird. Mittlerweile hatten wir auch die Gelegenheit einiges an Hasen und Rehen zu sehen, obwohl wir anfangs dachten, die Gegend sei durch die Baustellen komplett wildleer geworden. Die Aussicht hinüber auf den Buschberg und die zwei Radarstationen zeigte uns auch gleich, wie weitläufig das Weinviertel doch ist.

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Als letzte Station besuchten wir dann noch das „Ornamentfragment„. Ein in den Boden eingelassenes Kunstwerk aus Beton. Ironie war ein daneben angebrachtes Schild: „Material abladen verboten“, und den gleich daneben angehäuften Schutt- und Erdwällen einer Windradbaustelle …

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Nachdem wir diese letzte Station der Kulturlandschaft hinter uns hatten, machten wir uns auf den Rückweg zum Wagen. Der Weg führte noch über einen schönen Wiesenweg zum schon eingangs erwähnten Feldwiesengraben, den wir über eine Brücke queren mussten, die sicher schon mal bessere Zeiten gesehen hatte. Eigentlich gehört diese Brücke in dem Zustand gesperrt oder dringend saniert. Doch wen kümmerts da? Offensichtlich niemanden …

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Fazit: Die Wanderung an sich war eine schöne Sache. Die Wege gut zu gehen, die Streckenlänge für einen erholsamen Nachmittag gut geeignet. Die Kulturlandschaft selbst ist leider enttäuschend wegen des Zustandes der einzelnen Objekte. Die Landschaft selbst kann man praktisch als ruiniert betrachten. Wir finden es schade, dass immer mehr Flächen im Weinviertel für diese Windräder geopfert werden. Man kann ohnehin schon bald keine Fotos mehr machen, ohne dass ein Windrad im Bild ist …

Die komplette Fotoserie könnt Ihr Euch auf meinem Server ansehen: „Trailrocking Paasdorf 11,2km

Bis zum nächsten Mal, und viel Spaß beim Ansehen der Fotos,

Christian & Alex

Posted by 27. März 2016 Leave a comment Category: Touren

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