Laufen mit dem Hund – Canicross (Teil 2 unserer Serie “Sport mit dem Hund”)


Laufen mit dem Hund – Canicross
Teil 2 unserer Serie “Sport mit dem Hund

Updated: 2. Februar 2018


 

Wir, die Mitglieder der dem VRSÖ angeschlossenen Vereine, sehen uns als verantwortungsvolle Hundehalter und -halterinnen. Dazu gehört nicht nur die besondere Obacht auf unsere wunderbaren Hunde, sondern auch die Einhaltung der gesetzlichen Regeln und Vorschriften zur Benutzung des öffentlichen Raums. Aus diesem Grunde stellen wir in einer Serie von Beiträgen diverse Sportmöglichkeiten mit Hunden unter Anbetracht der Gesetzeslage in Österreich vor. Mit Teil 2 wollen wir euch das Laufen mit dem Hund (Canicross) vorstellen, und euch darüber ein wenig informieren.

Das Laufen mit dem Hund, auch Canicross genannt, kennen ja die meisten von euch. Dabei ist der Läufer mit dem Hund mittels Ruckdämpferleine verbunden und absolviert möglichst schnell einen Parcour über meist 5-6 km im Gelände. Von da her kommt auch der Wortteil “Cross”, zu vergleichen mit “Querfeldein”. Canicross kann praktisch auch mit “Querfeldeinlauf mit Hund” bezeichnet werden. Hier die offizielle Deklaration von Canicross aus Wikipedia:

 

Canicross ist ein Geländelauf (Cross-Country), bei dem der Sportler mit einem Hund durch eine flexible Leine verbunden ist. Diese Flexibilität wird durch einen Ruckdämpfer, der entweder in der Leine eingearbeitet oder am Ende zwischen Leine und Laufgürtel bzw. Runner-Pants befestigt ist, gewährleistet. Diese Hundesportart ist in Europa populär und aus dem Skijöring sowie dem Bikejöring mit Hunden entstanden, wobei in diesen Sportarten mehrere Hunde den Sportler ziehen dürfen. Die erste Weltmeisterschaft wurde 2002 in Ravenna, Italien durchgeführt. In Deutschland gibt es neben den Canicross-Wettkämpfen auch den Geländelauf im Rahmen des Turnierhundsports (THS). Das Regelwerk ist vergleichbar und häufig der Einstieg in den Canicross, da es beim THS eine größere Anzahl von Vereinen und Wettkampfterminen gibt.

Die Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus einem Hüftgurt und einer flexiblen Leine von maximal zwei Metern Länge (Turniermäßig gilt meist eine Richtgröße von 1,90 Meter). Der Hund bekommt ein spezielles Geschirr, das vergleichbar mit Schlittenhundgeschirren ist. Der Druckpunkt ist dabei so gearbeitet, dass die Lungen des Hundes nicht belastet werden und die Leistungsfähigkeit nur marginal eingeschränkt wird. Um die Verletzungsgefahr zu minimieren, haben alle zugelassenen Gurte einen Panikhaken, mittels dessen man die Verbindung zwischen Hund und Läufer lösen kann. Diese auch Panic-Snap genannte Einrichtung ist Voraussetzung, um an anerkannten Rennen teilnehmen zu dürfen. Da diese Sportart bevorzugt in waldreichen Gebieten praktiziert wird, werden meist Laufschuhe mit entsprechend grobem Profil benutzt.

Da Hunde auf hohe Temperaturen stark reagieren, sollten Läufe ab einer Temperatur von über 18 Grad Celcius nicht mehr durchgeführt werden. Die im Run erzielten Höchstgeschwindigkeiten können über 30 km/h betragen.

So weit die Darstellung von Canicross auf dieser Plattform.

 

Ob ihr nun Canicross im Laufdress oder bei einem Marathon/Halbmarathonlauf mit Laufrucksack und Pflichtausrüstung absolviert, die Ausrüstung für den Hund bleibt dabei immer gleich.

 


Canicross mit Alaskan Malamute, Russland, Foto von Polina Skopina-Panyukova

 

Doch kommen wir zum Wikipedia-Artikel zurück. Wir belassen den Text soweit, erläutern aber einige Fehler in der Beschreibung, die dem Autor offensichtlich durch ungenügende Recherche unterlaufen sind.

Definition Laufgürtel bzw. Runner-Pants: Im Prinzip handelt es sich um nichts anderes als den schon von Teil 1 unserer Serie bekannten Hüft- / Bauchgurts. Spezielle Laufgürtel gibt es zwar wieder mal bei Futterhaus & Co zu kaufen, sind aber derart schmal und filigran ausgeführt, dass die ganze Kraft des Hundes auf einer kleinen Fläche im Rücken einwirken. Manche sagen zwar, es gehe um die Gewichtsreduktion, doch dies ist Schwachsinn. Man wird wegen ein paar Gramm Ersparnis bei diesem Teil nicht schneller werden. Beim Laufen empfehlen wir jedoch an dieser Stelle einen Gurt mit Beinschlaufen. Durch diese kann der Gurt nicht hochrutschen und schlussendlich den Bewegungsablauf behindern.  Hier wieder unser Beispiel von Erpaki unserem Verbandslieferanten:

Natürlich gibt es diese “Jogginggürtel” mit und ohne Beinschlaufen, je nach Geschmack. Die breite Fläche im Rücken verteilt die Zugkraft des Hundes sehr gut.

Das spezielle Geschirr das erwähnt wird, ist nicht so speziell wie man meinen möchte. Doch auch hier gibt es verschiedene Varianten. Verwendet werden können Führgeschirre und Zuggeschirre. Ersteres empfehlen wir für Hunde, die gerne aus den Geschirren rausschlüpfen. Zweiteres für Hunde, die aus dem Schlittenhundesport kommen und daran gewöhnt sind, solche “offenen” Geschirre zu tragen, da sie aus diesen mittels “Retourgang” schnell raus sind. Hier wieder unsere Beispiele:

 

Oben links und rechts sehr ihr Führgeschirre mit 1 oder 2 Ringen. Welches ihr davon verwendet ist im Prinzip egal. Eingespannt wird über den hinteren Ring. Darunter seht ihr ein Zuggeschirr, ein sogenanntes X-Back. Wobei das Linke ein Standard-X-Back ist, und das rechte X-Back zur Sicherung des Hundes (gegen das Rausschlüpfen) einen zusätzlichen Bauchgurt besitzt. Zuggeschirre gibt es auch in anderen Bauformen. Welches dann wirklich am Hund passt sollte mit direkter Anprobe getestet werden. Bitte verwendet keine Norweger- oder Sattelgeschirre a la K9 und Baugleiche!

Der richtige Sitz des Geschirrs ist so, dass beim Führgeschirr der Bauchgurt mit mindestens 5cm Abstand zur Achselfalte durchgeführt wird und damit in den Achseln nicht scheuern kann. Beim Zuggeschirr muss darauf geachtet werden, dass das Ende des Geschirrs am Schwanzansatz endet und die Gurte nicht den Rippenbogen (bei Zug) einengen.


Zwei Beispiele für den korrekten Sitz der Geschirre. Links das X-öBack, rechts ein Führgeschirr. Beachtet das Ende des Zuggeschirrs und den Abstand des Brustgurts beim Führgeschirr zur Achselfalte.

Da beim Laufen mit Hund schon mehr Zugarbeit geleistet wird, ist hier zum Thema Führgeschirr noch zu erwähnen, dass der Befestigungsring samt Karabiner, nicht am sogenannten “Dip”, dem Wechselwirbel zu liegen kommt! Das ist die empfindlichste Stelle am Rückgrat des Hundes:


Grafik: https://ochotnikovbarsois.files.wordpress.com

Der Dip ist leicht zu erfühlen, denn hier sind die Dornfortsätze der Wirbel am Rückgrat am niedrigsten. Man spürt also eine kleine “Kuhle”. Wie der Name “Wechselwirbel” schon sagt, wechseln hier die Dornfortsätze ihre Richtung, und dies führt zu dieser kleinen Vertiefung. Meist sind es die beliebten Sattelgeschirre (K9 und ähnliche), die mit dem hinteren Rand des “Sattels” genau in diese Vertiefung beim Dip drücken, und beim Hund Schmerzen verursachen können.

 

Als Verbindungsleine kommt wieder die von Teil 1 unserer Serie bekannte Zugleine mit integriertem Ruckdämpfer zur Verwendung:

Auch hier sei wieder angemerkt, es gibt diese Leinen für 1 oder 2 Hunde.

Bei manchen Events wird von den Rennregeln her ein sogenannter Paniksnap zwischen Zugleine und Hüft- / Bauchgurt vorgeschrieben. Der Vollständigkeit halber und damit ihr wisst was das ist, Paniksnaps von Erpaki (links), und Huskytec (rechts):

 

Der Sinn dieser Paniksnaps liegt darin, die Verbindung Mensch-Hund schnell lösen zu können, sollte es zu einem Unfall oder Notfall kommen. Paniksnaps werden auch im Pferdesport verwendet, jedoch anders bezeichnet. Diese sind robuster und leichter zu handhaben, und teilweise auch weit billiger (Hier ein Beispiel aus Amazon):

Für welchen dieser Paniksnaps ihr euch entscheidet, ist reine Geschmacksache. Zum Gegenstück auf der anderen Seite der Zugleine sei auch hier der Vollständigkeit her erwähnt, dass die Karabiner unbedingt der Zugkraft (beim Anlaufen und Reinreißen in die Leine!) standhalten müssen! Alukarabiner sind zum Beispiel dazu vollkommen ungeeignet. Messingkarabiner mit Zwirbel sind unsere unbedingte Empfehlung, aber diese sind ohnehin auf den fertig zu kaufenden Zugleinen vorhanden. Die Karabiner sollten bei häufigem Gebrauch unbedingt nach jeder 2. Saison ausgetauscht werden da sie sonst brechen können. Denkt auch daran, eure Leinen regelmäßig auf Spliss zu kontrollieren! (Wichtig: Sogenannte “Feuerwehrkarabiner” sind im Hundesport wegen der Einklemmgefahr verboten!)

Nächster Punkt, den wir hier korrigieren wollen und müssen: Die Angabe der Temperatur für den Hund, die in dem Wikipedia-Artikel angegeben ist, ist unserer Meinung nach vollkommener Schwachsinn. Erstens hat sich eine Temperaturgrenze von 15°C in dieser Sportart etabliert, und selbst diese zweifeln wir an da wir nach der sogenannten 100er Regel arbeiten. Diese hat sich bei Schlittenhunden in Alaska bewährt und deckt praktische einen großen Temperaturrahmen ab, da hier Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Relation gesetzt werden. Nach dieser Regel können auch schon Temperaturen von 12 Grad oder auch 20 Grad gefährlich oder in Ordnung sein.

Wichtig: Man muss auf alle Fälle zwischen nordischen Schlittenhunden und den modernen Schlittenhunden oder anderen Hunderassen unterscheiden! Ein Nordischer nimmt automatisch von sich aus Kraft und Geschwindigkeit raus, wenn es ihm zu heiß wird und seine “Klimaanlage” nicht mehr richtig funktioniert (wie diese abläuft gleich im Anschluss an diesen Absatz). Moderne Schlittenhunde oder normale Hunde kennen diese “Bremse” nicht, und laufen bis sie kollabieren. Dann ist es aber auch schon zu spät! Beobachtet eure Hunde daher immer ganz genau, dann erkennt ihr im Regelfall die ersten Anzeichen einer Überhitzung und könnt regulierend eingreifen indem ihr selbst Power aus dem Lauf rausnehmt. Wer hier mit falschen Ehrgeiz unterwegs ist schädigt nur seinen Hund!

Die Klimaanlage des Hundes: Ein Hund kann seine Körpertemperatur nicht wie der Mensch durch Schwitzen regeln, da er nur an den Pfoten Schweißdrüsen besitzt. Deswegen haben Hunde die im Sport eingesetzt sind, meist auch echte “Schweißfüße”. Kein Scherz! Riecht mal an den Pfoten eurer Hunde. Das dies jedoch zu wenig für die Regulierung der Körpertemperatur ist, hecheln Hunde. Dabei wird Wasser auf der Zunge und den Schleimhäuten verdunstet und es entsteht Verdunstungskälte im Gewebe und den Blutbahnen darin. Ein ganz normaler physikalischer Vorgang. Die Verdunstung würde bei einer Luftfeuchte von 0% natürlich am Besten funktionieren, doch das kommt in unseren Breitengraden niemals vor. je höher die Luftfeuchte ansteigt, desto schlechter funktioniert die Verdunstung im Maul des Hundes. Der Kühleffekt nimmt ab, die Körpertemperatur steigt an. Wird ein bestimmter Wert überschritten (in diesem Fall greift die 100er Regel die wir zur Berechnung verwenden) wird es für den Hund gefährlich. Bei Schwüle (siehe Definition: https://de.wikipedia.org/wiki/Schw%C3%BCle) ist auf den Hundesport generell zu verzichten! Denn da funktioniert die Klimaanlage des Hundes nicht! Die Luft ist gesättigt und nimmt keine Verdunstungsfeuchte mehr auf.

Maulkörbe … ein Thema das für uns ein rotes Tuch im Hundesport ist! Leider hat sich in dieser Sportart (und einigen weiteren, die auch gerne unter Zughundesport bezeichnet werden) eingebürgert, dass unverträgliche Hunde plötzlich Maulkörbe verpasst bekommen. Der einzige Hundesport der dies (leider) immer zugelassen hat, waren Windhunderennen. Da gab es auch eigens angerfertigte “Rennmaulkörbe”. Wir für unseren Teil betrachten das als reine Tierquälerei, speziell in unseren Sportarten. Die Einführung der Maulkörbe im Canicross, oder die Zulassung von Hunden die aus sogenannten Qualzuchten stammen oder die Größe eines Hasen nicht übersteigen, ist unserer Meinung nach reine Startgeldbeschaffung für die ausführenden Vereine zu Lasten der Tiere. Als verantwortungsvolle Hundeführer müssen wir solche Dinge kategorisch ablehnen, und sind bei uns auch verboten. Wenn ein Hund nicht verträglich oder vom Körperlichen her nicht geeignet ist, muss man sich das eingestehen und andere Bewegungsmöglichkeiten für den Hund suchen. Außer man ist alleine unterwegs, dann klappts auch mit unverträglichen Hunden. Hunde mit körperlichen Handycaps lasst lieber vom Sport außen vor. Danke!

Welche Laufausrüstung ihr selbst auswählt (Kleidung, Schuhe, etc.) das bleibt euch vollkommen selbst überlassen. Richtig ist worin man sich wohlfühlt und keine Beeinträchtigungen beim Laufen hat. bei den Schuhen solltet ihr jedoch darauf achten, dass die Sohle guten Gripp hat, da der Lauf ja wie schon erwähnt “querfeldein” durchgeführt wird.

Auch beim Laufen mit dem Hund abseits von Canicross gilt natürlich: Hunde sind an der Leine zu halten. Das Warum haben wir schon in Teil 1 unserer Serie erläutert, aber auch hier zur Info das PDF des NÖ Landesjagdverbandes:

straub_frei_laufende_hunde_im_jagdgebiet

Solltet ihr Fragen zu diesem Thema haben, dann wendet euch an uns. Wir helfen euch gerne weiter! Auch wenn ihr nicht Mitglied bei uns seid.

 

Im Zuge des Events “Burning feet” unseres Mitgliedsvereins Longtrail Hikers – Austria, wird Laufen mit dem Hund auf der Halbmarathonstrecke (variabel zwischen 19,5 und 21km, je nach Trail der freigegeben wird) ausgeübt. Dabei ist ein “Laufrucksack” mit der Pflichtausrüstung dabei zu haben. Das erschwert natürlich den Lauf ein wenig, aber hier zeigt sich dann schnell, wie gut das Mensch-Hund-Team in Wahrheit ist.

 

VRSÖ – Dem Sportnachwuchs in seinen Mitgliedsvereinen verpflichtet!
Mailadresse für eure Fragen: office[at]nssv.at

 

[Update per 12.01.2018]
Wir wurden gefragt, wie das Wässern der Hunde vor dem Laufen richtig gemacht wird. Darauf werdet ihr von uns keine Antwort bekommen, nur einen Rat: Trinkt selbst 15 Minuten vor dem Start (leider machen das viele so knapp vor dem Start) 1 – 1 1/2 Liter Wasser mit einer halben Handvoll “Leckerlies” drinnen (nehmt Kekse oder Backerbsen die sich gut aufweichen können), und dann rennt 5km am Stück! Damit sollte sich diese Frage von selbst beantworten.

Fakt ist: Die sogenannte “Suppe” wird mit Garantie nicht so schnell vom Magen aufgenommen und schwappt im Hund haltlos herum. Anders als beim Menschen, ist der Magen des Hundes sehr beweglich und wird nur von flexiblen Bändern stabilisiert. Durch den durch Wasser vollen Magen und den damit verbundenen Bewegungen, können sich unserer Meinung nach, die haltenden Magenbänder ausdehnen und der gefürchteten Magendrehung beim Hund Vorschub leisten.

Zur Info: Normalerweise liegt die gesamte Verweildauer von Nahrung und Flüssigkeiten im Magen-Darm Trakt bei 24 – 36 Stunden. Dabei bleibt die Nahrung etwa 2-8 Stunden im Magen, 1-2 Stunden im Dünndarm und circa 18 – 24 Stunden im Dickdarm. (Quelle: https://hundepower.de/verdauung-bei-hunden/)

Korrektes Wässern geschieht MINDESTENS 1 1/2 bis 2 Stunden vor dem Start! Nicht wie laufend zu beobachten, 10-15 Minuten vor dem Start! Alles andere ist ein absolutes NoGo.

 

Text: VRSÖ, Christian Veigl
Fotos/Grafiken: Christian Veigl, Christian Heiss, Erpaki, Huskytec, Amazon
PDFs: NÖ Landesjagdverband